Mediation bei Trennung / Scheidung: Am Beratungsanwalt gespart ist an der falschen Stelle gespart

Über Interesse an  Familienmediation will ich nicht klagen - aber manches Mal über die Motivation.
Sitzt das Paar nämlich beim  Anwaltsmediator nur, um anderswo beiderseitige Anwaltskosten zu  sparen, dann ist es häufig mit dem Engagement der beiden, selbst an der Lösung  zu arbeiten, nicht weit her. Lieber hätten sie einen Schiedsrichter mit  Fachwissen oder einen schizophrenen Berater für beide - doppelter Nutzen,  geteilte Kosten. Der Anwalt soll am besten vorschlagen, was am Besten sei - und  das für den halben Preis.
 
Anwaltliche Kollegen, die unter dem  Deckmäntelchen der Mediation tatsächlich gemeinsame Beratung getrennt Lebender  anbieten, weil der Markt das so will, fördern solchen Irrtum.
 
 
 
Daher heute mal ganz grundsätzliche  Statements:
 
 
 
Spart die  Mediation jedem einen Anwalt?
 
 
 
Ich meine: Nein!  Und das selbst dann, wenn der Mediator (auch) Anwalt ist.
 
 
 
Die rechtliche  Beratung beider Parteien vor oder während der Mediationsverhandlungen ist  wichtig für ein nachhaltiges korrektes Ergebnis! Wer daran spart, spart am  falschen Ende.
 
 
 
"Die Rolle des  Rechts" sollte in jeder Mediation mit den Parteien verhandelt werden. Oft ist  das Ergebnis, dass der rechtliche Maßstab nur einer unter mehreren möglichen ist  und durchaus relativ zu den eigenen Gerechtigkeitsvorstellungen gesehen werden  kann. Jedoch lebt unsere Gesellschaft nicht im rechtsfreien Raum. Um  verantwortlich verzichten zu können, muss man abschätzen können, worauf man  verzichtet - zumindest wissen, dass man verzichtet. Insbesondere für den Fall  des Scheiterns der Mediation bzw. um sich mit einem Abbruchgedanken  auseinandersetzen zu können, muss man wissen, was die rechtliche Alternative  ist.
 
 
 
Um in einer  Mediation verhandeln zu können, muß jeder Klient seinen persönlichen  Verhandlungsspielraum kennen:
 
 
 
? Er muss die  Information haben, welche Ansprüche er im Falle eines gerichtlichen Verfahrens  minimal oder maximal durchsetzen kann, um den worst-case des Scheiterns der  Mediation zu überblicken (auch, um zu wissen, wie erpressbar man durch  Abbruchsdrohungen des Anderen ist).
? Er muss die üblichen rechtlich  relevanten Argumente kennen, um diese möglicherweise in die Verhandlung  einzubringen.
? Er muss den gesamten Regelungsbedarf seiner Situation kennen,  um auf die Vollständigkeit der Themensammlung in der Mediation zu achten.
?  Er muss einschätzen können, wo die Möglichkeiten und Grenzen eines gerichtlichen  Verfahrens liegen, um die Vorteile des Mediationsverfahrens erkennen zu  können.
? Er muss die Angebote, die sein Gegenüber ihm macht, am rechtlichen  Anspruch messen können, um ein Entgegenkommen wertschätzen zu können.
? Er  muß sein Prozeßrisiko kennen, also die zu erwartenden Kosten, mit welcher Dauer  des Verfahrens zu rechnen ist und welche persönliche Belastung damit verbunden  ist.
? Er darf nicht nach erfolgreicher Mediation zusätzliche (zufällige)  Informationen erhalten, bei deren Kenntnis er das Ergebnis so nicht verhandelt  hätte (Rechtsirrtum).
 
 
 
Diese Informationen  erhält er nur in einer parteilichen anwaltlichen Beratung ohne  Anwesenheit des Anderen.
Wer sich "verträgt" - und das ist ja das Ziel der  Mediation - muss aufgeklärt sein darüber, was ihm von Rechts wegen zusteht.  "Vertragen" heißt nämlich: gegenseitig Verzicht zu üben, Kompromisse zu  schließen, die auch in der Zukunft tragfähig sind.
 
 
 
Ein Nichtwissen  oder Halbwissen verdankter Verzicht hat jedoch gerade keine Zukunftsperspektive,  vor allem dann nicht, wenn dies vom besser informierten Verhandlungspartner noch  manipulativ oder taktisch ausgenutzt wird.
 
 
 
Dies zeigt und  rächt sich spätestens dann, wenn der Verzichtende nach Unterschrift unter seine  Einigung aufgeklärt wird. Das Wiederaufflammen des Konflikts ist dann geradezu  vorprogrammiert. Und selbst wenn er "offiziell" nicht wieder aufgenommen wird,  bleibt die Erkenntnis, aus Unkenntnis benachteiligt worden zu sein. Das  Verhältnis zum Verhandlungspartner ist endgültig vergiftet, die Einstellung zur  Mediation wird nachhaltig negativ sein.
 
 
 
 
 
Mediation kann  nicht den Hauptzweck haben, Geld zu sparen - mit der Haltung verkauft man  Mediation unter Wert.
 
 
 
Dennoch gebe ich zu: eine  erfolgreiche Mediation ist in der Regel nicht so teuer wie eine beiderseitige  anwaltliche Vertretung oder gar eine gerichtliche Entscheidung. Denn wenn die  beiderseitigen Anwälte einander Briefe schreiben müssen, entsteht auf jeder  Seite eine "Geschäftsgebühr" nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz RVG. Vor  Gericht kommen Verfahrensgebühr, Terminsgebühr, vielleicht Einigungsgebühr sowie  die Gerichtskosten hinzu. All dies ist vom Streitwert (Gegenstandswert)  abhängig, der sich in Familiensachen durch die Zusammenrechnung aller Themen  ordentlich summieren kann.
 
Anders in der mediationsbegleitenden  Beratung: Der Anwalt hält sich im Hintergrund, bekommt keinen Auftrag für  Schriftverkehr und rechnet daher nur Beratung ab. Oft wird das nach Zeitaufwand  abgerechnet statt nach Streitwert.
 
 
 
Im Ergebnis ist Mediation +  Beratungsanwalt + Notarvertrag bestimmt preiswerter als Anwaltsbriefe +  gerichtliche Klärung!
 
Aber das nur nebenbei - nicht als  Werbung für Mediation ...
 
 
 
 
 
Martina  Mainz-Kwasniok
 
Rechtsanwältin und Mediatorin, Fachanwältin für Familienrecht,
 
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