Arztpraxis verkaufen oder übertragen - was ist zu beachten?

Die Praxis ist das Lebenswerk eines jeden niedergelassenen  Zahnarztes. Doch irgendwann kommt das Ende des Berufslebens und es  beginnt die Zeit des Ruhestandes. Dann muss der Zahnarzt alles, was er  über Jahre erfolgreich geschaffen hat, zurücklassen.

 

Gerade kurz vor dem Ruhestand kann es aber noch einmal anstrengend  für den Praxisabgeber werden. Da es um den Verkauf des Lebenswerkes  geht, spielt bei der Praxisübergabe das Geld neben den Emotionen eine  wichtige Rolle. Selbstverständlich soll die Praxis auch von einem  kompetenten Nachfolger fortgeführt werden und der Erlös für den  Ruhestand ein finanzielles Polster bieten. Nach unserer Erfahrung  erfordert die Praxisabgabe daher eine sorgfältige Planung und  Durchführung.

 

In jüngster Zeit kommt für den Abgeber erschwerend hinzu, dass von  Jahr zu Jahr die Zahl der Praxen steigt, die geschlossen werden, ohne  dass ein Praxisnachfolger die Versorgung der Patienten übernommen hat.  Noch vor einigen Jahren wäre dies nicht denkbar gewesen. Damals konnten  die Praxisverkäufer sich den Vertragspartner aus einer Vielzahl an  Interessenten aussuchen. Dieses Verhältnis von Angebot und Nachfrage  wandelt sich nun immer mehr, mit der Folge, dass zwischenzeitlich häufig  die Käufer dominieren, da sie aus einer Vielzahl an Arbeits- und  Praxismöglichkeiten auswählen können. Auch die Aufhebung der  Zulassungsbeschränkung im zahnärztlichen Bereich hat ihren Anteil an  dieser Tendenz beigetragen.

 

Doch was darüber hinaus die Ursachen für diesen Wandel?

 

Junge Zahnärztinnen und Zahnärzte wünschen sich immer mehr eine  Spezialisierung und die Einbindung in Teamstrukturen. Auch geht die  Bereitschaft zur Übernahme eines unternehmerischen Risikos bei den  jungen Menschen zurück. Vielmehr wünschen sich die Nachwuchskräfte  geregelte Arbeitszeiten, berufliche Entfaltungsmöglichkeiten für den  akademisch ausgebildeten Ehepartner und eine ansprechende sozialen  Umgebung. Frauen bevorzugen aufgrund des Kinderwunsches zudem die  Möglichkeit einer Teilzeittätigkeit auf Angestelltenbasis.

 

Aufgrund dieser Faktoren reduziert sich automatisch die Nachfrage an  der Übernahme von freiberuflichen Praxen, wobei vor allem Praxen in  ländlicheren Regionen betroffen sind. Um dennoch die Früchte der Arbeit  ernten zu können, sollte das Projekt Praxisverkauf möglichst früh,  mindestens ein Jahr im Voraus, von dem Zahnarzt geplant werden. Nur so  kann sich der Praxisabgeber verschiedene Vorgehensmöglichkeiten im  Hinblick auf sein bevorstehendes Ausscheiden offen halten.

 

In Betracht kommen neben der klassischen Praxisabgabe die Gründung  einer Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft sowie die Aufnahme  eines Jobsharing-Partners. Auch über den Verkauf der Praxisanteile in  mehreren Schritten und damit den sukzessiven Ausstieg kann nachgedacht  werden. Als weitere Variante mögen der Verkauf der Kassenpraxis und die  Weiterführung einer privatärztlichen Tätigkeit im Einzelfall sinnvoll  sein.

 

Vor allem steht natürlich, dass der Kaufpreis ermittelt wird und  dieser auch den Tatsachen entspricht, denn nur dann wird man heute einen  Übernehmer finden.

 

Für die Bewertung der Praxis sind folgende Aspekte und Unterlagen  erforderlich:

 
  • Das Erscheinungsbild der Praxis ist zu überprüfen, gegebenenfalls  verbessern
  • Die betriebs- und apparatebezogene Genehmigungen überprüfen,  gegebenenfalls erneuern
  • sämtliche Praxisverträge einschließlich Miet- und Arbeitsverträge  zusammenstellen
  • Bewertung der Praxis durchführen, in Zusammenhang damit
  • Erstellung eines Inventarverzeichnisses
  • betriebswirtschaftliche Auswertung der letzten 3 Jahre
  • Einnahmen-Überschussrechnungen bzw. Steuerbilanzen möglichst der letzten drei bis fünf Jahre
  • KV/KZV - Abrechnungen der letzten 3 Jahre
  • Angaben zu Laborumsätzen
 

Nun kann der Kaufpreis realistisch beurteilt werden und mit der Suche  nach einem geeigneten Übernehmer begonnen werden.

 

Nun ist die frühe Absicherung des Kaufpreises für den Abgeber einen  wesentlicher Punkt bei den Vertragsverhandlungen mit einem potentiellen  Käufer. Hintergrund ist häufig die Tatsache, dass der ausscheidende  Zahnarzt zur Absicherung seiner Altersvorsorge auf einen hohen  Praxiserlös angewiesen ist. In Anbetracht dieser Tatsache ist es  nachvollziehbar, dass ein potentieller Käufer möglichst schnell  vertraglich gebunden werden soll. Hierzu greifen Zahnärzte gerne auf  einen sogenannten \"Vorvertrag\" zurück.

 

Durch den Abschluss eines \"Vorvertrags\" erwerben die Vertragspartner  einen wirksamen Rechtsanspruch auf Abschluss des  Hauptpraxiskaufvertrags. Da aus dem Vorvertrag notfalls auf Abschluss  des Hauptvertrags geklagt werden kann, ist der Vorvertrag aber nur  wirksam, wenn die Parteien sich bereits über alle wesentlichen Punkte  geeinigt haben und der Inhalt des abzuschließenden Hauptvertrags  zumindest bestimmbar ist.

 

Dies bedeutet, dass sowohl der Kaufgegenstand als auch der Kaufpreis  aus dem Vorvertrag hervorgehen müssen. Weiterhin sind Vereinbarungen  über wesentliche Nebenpunkte wie z.B. die Praxisausstattung, die  Patientenkartei und die Bemessungsgrundlagen des ideellen Praxiswertes  in den Vorvertrag aufzunehmen.

 

Hinsichtlich der notwendigen Konkretisierung des Vorvertrags bestehen  dagegen einige Ungewissheiten. Insbesondere wenn der Vorvertrag zu  knapp ausfällt, besteht die Gefahr, dass das Gericht im Streitfall zur  Unwirksamkeit des Vorvertrags gelangt.

 

Verwendet man allerdings bereits viel Aufwand und Zeit in die  Verhandlung und Gestaltung des Vorvertrags, so verfehlt der Vorvertrag  schnell seinen Zweck. Dann kann nämlich im Anschluss häufig auch der  Praxiskaufvertrag sofort abgeschlossen werden, da im Rahmen des  Vorvertrags der Hauptteil der Arbeit schon erledigt wurde. Die  Sinnhaftigkeit des Vortrages ist damit nicht ersichtlich.

 

Praxistip:

 

Die Praxisabgabe bedeutet für den niedergelassenen Zahnarzt nicht nur  die Aufgabe seines Lebenswerkes, sondern der Erlös aus dem  Praxisverkauf wird häufig auch als wichtige Säule der Altersversorgung  des Zahnarztes benötigt. Daher ist es für den Abgeber wichtig,  frühzeitig mit der Planung dieses Vorhabens zu beginnen und sich  qualifizierte Beratung einzuholen.

 

Von einem Vorvertrag mit dem möglichen Praxiserwerber in dabei in den  meisten Fällen abzuraten. Sinnvoller ist es vielmehr, den Hauptvertrag  von Beginn an konsequent zu verhandeln. Eventuell noch bestehende  Ungewissheiten können auch in dem endgültigen Praxiskaufvertrag durch  die Vereinbarung von Rücktrittsrechten abgesichert werden. Weiterhin  besteht die Möglichkeit, den Praxiskaufvertrag von dem Eintritt  bestimmter Bedingungen abhängig zu machen.

mehr unter: www.medizinrecht-blog.de