Bedeutung der Grundregel: Schweigen

Dar├╝ber was ein Strafverteidiger f├╝r seinen  Mandanten tun kann, bestimmt zu einem gro├čen Teil der Mandant selbst. Dies beginnt beim "schuldigen" Mandaten mit der "Spurenlage" die er  legt; das beinhaltet auch schriftliche Aufzeichnungen oder Gespr├Ąche mit  Dritten ├╝ber die Straftat. Welche Verteidigungsm├Âglichkeiten es gibt,  hat der Mandant also zu einem guten Teil selbst in der Hand, wenngleich  sich die wenigsten auf die Situation vorbereiten "erwischt" zu werden.

 

F├╝r "schuldige" aber auch "unschuldige" Mandanten gilt der generelle Ratschlag: Schweigen - dies bedeutet auch nicht "ja" oder "nein", sondern keine Antwort. 

  • F├╝r den Beschuldigten gilt "Aussagefreiheit". Das bedeutet, der Beschuldigte kann aussagen oder eben nicht.
  • Die Aussagefreiheit bedeutet auch: der Beschuldigte darf l├╝gen.  Die Grenzen des zul├Ąssigen "L├╝gens" liegen in der "falschen  Verd├Ąchtigung" d.h. der konkreten Beschuldigung eines anderen, eine Tat  begangen zu haben oder ggf. der "Strafvereitlung" d.h. des L├╝gens zu  Gunsten eines anderen T├Ąters (Nachweis in der Praxis sehr selten, da  Motiv der Falschaussage selten eindeutig nachzuweisen - bei  "Eigenschutz", oder Schutz naher Verwandter ist keine Strafbarkeit  gegeben). Meineid gibt es nur f├╝r Zeugen - nicht f├╝r den  Beschuldigten/Angeklagten.
  • Wird der Beschuldigte der "L├╝ge" ├╝berf├╝hrt, so ist damit die  "Unschuldsvermutung" nicht widerlegt, denn auch der Unschuldige kann aus  unterschiedlichsten Motiven zu einer "Notl├╝ge" greifen. Jedoch sollte  nicht gelogen werden, zumal "Schweigen" die "erfolgversprechendste  Aussage" ist.
  • Den Aussagen eines "Beschuldigten" wird in der Regel nicht  geglaubt - es sei denn er gesteht. Ansonsten wird im Grundsatz vermutet,  jeder "Beschuldigte" l├╝ge - was er ja auch darf.
  • Eine Aussage macht nur dann Sinn, wenn man ganz eindeutig und  nachweisbar jeden Zusammenhang mit der Tat wiederlegen kann - was nur  f├╝r den "Unschuldigen" gelten kann, und ├Ąu├čerst selten ist.
  • Prozessual wahrt man mit dem Schweigen alle M├Âglichkeiten. Jede  Festlegung auf einen Sachverhalt - insbesondere eine fr├╝he - kann sp├Ąter  "falsch" gewesen sein.
  • Auch v├Âllig Unschuldige sind schon verurteilt worden, etwa weil  ein Zeuge sie erkannt haben will. Deshalb ist jede Aussage gef├Ąhrlich.  Die Aussage kann in irgendeinem Teil mit den Aussagen anderer, in  Einklang zu bringen sein und damit eine Selbstbelastung darstellen.
  • Die Verweigerung einer Aussage ist kein Nachweis einer Schuld.  Sprichw├Ârter wie: "wer nichts zu verbergen hat..." sind falsch. Wer mit  der Sache nichts zu tun hat, braucht auch nicht davon zu reden. Auch der  Unschuldige will nicht mit Dingen behelligt werden, an denen er nicht  beteiligt war.
  • Aus der Rolle eines Zeugen kann man auch in die Stellung des  Beschuldigten gelangt sein. Sollten Angaben als Zeuge gemacht worden  sein, so d├╝rfen diese Angaben nicht als " Beschuldigter" wiederholt  werden. Was als "Zeuge" gesagt wurde, ist gegen den "Beschuldigten" in  der Regel nicht verwertbar. Ohne weitere Beweise kann niemand wegen  seiner Aussagen als Zeuge belangt werden. Die Verfolgungsbeh├Ârden kennen  in einem solchen Fall zwar den Sachverhalt, k├Ânnen ihn aber nicht  beweisen, sofern keine weiteren Beweise vorliegen.