Umgang mit Polizei

Die Aufgabe der Polizei ist es, Straftaten zu  verhindern und aufzuklären. Zwar wäre es auch Aufgabe der Polizei,  entlastendes Material zu Gunsten der Beschuldigten zu ermitteln; in der  Praxis ist dies jedoch von untergeordneter Bedeutung.

 

Für die Beförderung von Polizeibeamten spielt es keine Rolle,  wie häufig die Unschuld eines Verdächtigen nachgewiesen wurde, sondern  es geht um die "Aufklärung" von Straftaten. "Verfolgungsdruck" ist ein  Beurteilungskriterium für Polizeibeamte. Eine unaufgeklärte Straftat ist  aus Sicht der Polizei nicht gut. Entsprechend geht die Polizei mit dem  Ziel einer "Aufklärung" an die Ermittlungen. Dabei gibt es "eifrigere"  und weniger eifrige Beamte. Mitunter versuchen Polizeibeamte an die  äußersten Grenzen dessen zu gehen, was die Strafprozessordnung zulässt.

Es gibt auch Berichte, nach denen diese Grenzen überschritten werden,  nur ist dies dann in der Regel nicht nachweisbar, da der Beschuldigte  gegen die Aussagen mehrerer Polizeibeamter machtlos ist (eine der  wenigen bekannten Ausnahmen: Folterandrohungen im Fall Metzler /  Frankfurt). 

  • Deshalb sollte man gegenüber Polizeibeamten vorsichtig sein und das  Ziel der Polizei immer berücksichtigen. Die Methoden, die angewandt  werden, um belastendes Material zu gewinnen, sind für den im Umgang mit  der Polizei Unerfahrenen - ob schuldig oder nicht - schwer zu  durchschauen. Beachten Sie folgendes:
  • Erfragen Sie bei jedem Kontakt mit der Polizei, worum es geht.  Bevor eine Frage der Polizei beantwortet wird, fragen Sie zurück, worum  es geht. Jede Anwort kann ein Problem sein (z.B.: die Beantwortung der  Frage wem ein Auto gehört, oder wer es fährt, kann bei einem Verfahren  im Straßenverkehr die entscheidende Selbstbelastung darstellen)
  • Der Beschuldigte wird zwar in irgendeiner Form darüber  aufgeklärt, dass er nicht zur Sache aussagen muss und jederzeit einen  Anwalt beauftragen kann. Häufig wird jedoch der Eindruck erweckt, wenn  man nichts zu verbergen habe, könne man doch gefahrlos aussagen. Über  Anwälte werden mitunter abfällige Bemerkungen gemacht (diese könnten  auch nicht helfen; würden nur viel Geld kosten usw).
  • "Good boy - bad boy" wird in amerikanischen Polizeischulen offiziell gelehrt; in Deutschland ist es teilweise zu beobachten.
  • Es werden Vorhalte gemacht, die falsch sind, oder nicht  verwertet werden können (ein anderer habe schon alles erzählt; man wisse  wie es war - leugnen sei zwecklos; auf unverwertbare  Ermittlungsergebnisse wird Bezug genommen -z.B. Telefonüberwachung, die  nicht für alle Straftaten genutzt werden darf, Angaben von Angehörigen;  etc.). Dabei gilt: Umso intensiver die Polizei eine Aussage haben  möchte, umso weniger Nachweise gibt es.
  • Soweit Polizeibeamte den Eindruck zu erwecken versuchen, sie  wollten nur helfen, umso misstrauischer sollten Sie werden. Der einzige  "gute Rat" den es gibt, ist Schweigen - so wie es auch jeder  Polizeibeamte tut, der einer Straftat verdächtig ist.
  • Es wird Druck aufgebaut, ein Geständnis könne sich nur jetzt und  nur heute strafmildernd auswirken. Spätere Geständnisse hätten keinen  Wert. Dies ist falsch - im Gegenteil ist häufig der Geständige der  "Dumme". Mit dem Geständigen lässt sich ein leichter Prozess machen, die  "Verhandlungsmasse" eines Geständnisses ist nicht mehr vorhanden, - er  ist nur noch auf die "Gnade" des Gerichtes angewiesen.